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Wärme für Litauen - Ofenbau in Ignalina

Tag 3 - 14.05.2004

Aufbruch nach Litauen. Ein wunderschöner Tag und die letzten 350 km liegen vor uns. Was wird uns an der Litauischen Grenze erwarten? Müssen wir warten? Nur noch 50 km. Nur noch 40, 30, 20, 10. An der Grenze verlief alles nahezu problemlos.

Nur der schwarze Audi hat die Beamten wohl etwas verwirrt. Wir müssen einige Minuten warten, bis geklärt ist, ob es sich nicht um ein gestohlenes Fahrzeug handelt. 5 Minuten später geht es weiter. Europa ohne Grenzen hat auch Vorteile. "Welcome to Lithuania", prangt es mit großen Lettern am Straßenrand. Auf und Los, Ignalina, wir kommen.

Unendliche Weiten, hügelige Wiesen mit einer schier unendlichen Anzahl Löwenzahnblüten, kleinere und größere Seen, kleine, frisch bestellte Felder und viele weißstämmige Birken prägen das Landschaftsbild Litauens. Zwischendrin entdeckt man immer wieder einen kleinen Bauernhof. Der Zustand der Gebäude ist zum Teil erschreckend.

An den Anblick von Bauern und ihren Pferden mussten wir uns erst gewöhnen. In Deutschland bestellt man schon seit 30 Jahren das Feld mit moderner Technik. Nein, in Litauen ist das noch anders. Selbstversorgung ist in Litauen an der Tagesordnung. Wenn man hier auf dem Land überleben will, musst man schon etwas tun.

Ankunft in Ignalina.

Fotoshooting am Ortseingangsschild. Keiner sagt etwas. Spannung, die fast knistert. Wir alle haben so unsere eigenen Erwartungen. Ignalina, 7000 Einwohnen, klein, überschaubar und schon ein wenig verträumt.

Sozialistische Neubauten direkt am Ortseingang prägen das Bild. Später folgen die typischen gelben, grünen und blauen Holzhäuser, die uns bereits mehrfach auf dem Weg nach Ignalina begegnet sind. Bei den Ofenbauern entfacht die Diskussion über Wärmeschutz und K-Wert. Im Winter sollen es schließlich bis zu -35 Grad Celsius sein. Wie vor 30 Jahren bei uns, so die Bemerkung der Fachmänner beim Betrachten der Häuser am Wegesrand. Der erste Weg in Ignalina führte uns zur Tagesstätte. Schließlich müssen wir einen Überblick haben.

Die Begrüßung ist sehr herzlich. Uns ist allen etwas mulmig zu Mute. Die erste Begegnung mit der eigentlichen Aufgabe. Mit litauisch, deutsch, russisch und englisch versuchen wir die wichtigsten Fakten zu schaffen. Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten, eine ältere, mäßig deutsch sprechende Dame wurde zu Rate gezogen, können fast alle Fragen zur Zufriedenheit der Handwerker geklärt werden.

Nach der Ortsbegehung gibt es eine erste Bestandsaufnahme. Uns fehlt Material. Was tun? Gemeinsam mit den Damen fahren wir zu Ignalinas Baumarkt. Das Erstaunen ist groß. Eigentlich gibt es alles und zudem noch zu sehr erschwinglichen Preisen. Das hätte keiner erwartet. Erste Fragen kamen auf. Warum bauen wir hier eine Heizung, wenn es doch alles gibt? Die Antwort bekamen wir direkt von unserer netten Dolmetscherin. Der durchschnittliche Litauer Arbeiter erhält etwa 800 Lit. (250 Euro). Damit kann man keine großen Sprünge machen. So die Aussage, und Geld für soziales Engagement von Seiten der Kommune ist sehr rar. Deshalb konnte in der Tagesstätte auch die Rechnung für die Heizung nicht bezahlt werden. Seit 4 Jahren ist die Tagesstätte nun ohne Heizung. Vier Jahre ohne Heizung. Unvorstellbar.

Ankunft in unserer Unterbringung. Ignalinas, oh nein, Litauens Wintersportzentrum. Mit See und Skihang und sogar einem Skilift. Beim Anblick der Dimensionen des Litauischen Wintersportzentrums kam uns unweigerlich das Schmunzeln. Der Hügel mit dem Abfahrtshang vor uns (etwa 70 – 100 m hoch) entlockte uns Thüringer ein Lächeln. Trotzdem, hier ist es wunderschön. Die Zimmer sind frisch renoviert und ausgestattet. Alles sauber und jeder hat seine eigene Dusche. Was will man mehr. Zumal das Zimmer mit Frühstück etwa 15 Euro kostet. Eine erste Begegnung mit dem Direktor des Wintersportzentrums war auch sehr aufschlussreich. Im Haus gibt es eine finnische Sauna, eine kleine Bar und wir können sogar Fahrräder ausleihen.


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